Behinderten-Reitsport im BPRSV e.V.
Was ist Handicap-Reitsport?
Im Reitsport für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung werden Reiterinnen nicht nach klassischen Leistungsklassen, sondern nach sogenannten Grades eingeteilt. Diese Klassifizierung erfolgt durch Ärztinnen oder Physiotherapeut*innen auf Grundlage der Richtlinien des Internationalen Paralympischen Komitees für Reiterei (IPEC). Entscheidend für die Einstufung sind funktionelle Fähigkeiten, die direkt mit dem Reiten zusammenhängen. Die Ursache der Beeinträchtigung spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Voraussetzung ist eine nachweisbare Einschränkung von mindestens 15 % im Vergleich zum Regelsport. Seit 2001 werden in Deutschland Deutsche Meisterschaften im Para-Reitsport ausgetragen.
Wie im klassischen Dressursport zählen auch im Parasport grundlegende Qualitätsmerkmale wie elastische Bewegungen, ein schwingender Rücken des Pferdes und eine konstante Anlehnung. Die besondere Herausforderung besteht darin, diese Anforderungen trotz körperlicher Einschränkungen – etwa bei Querschnittslähmung, Spastiken oder dem Reiten mit nur einem Bein – harmonisch und präzise umzusetzen.
Im Para-Reitsport gibt es vier Leistungsklassen:
Grade I
Die Klasse für Reiterinnen mit den stärksten Einschränkungen. Viele Athletinnen nutzen im Alltag einen Rollstuhl. Geritten werden vor allem Schritt- sowie teilweise Trabsequenzen.
Grade II
Für Reiter*innen mit deutlichen Einschränkungen, beispielsweise in der Beinfunktion oder Rumpfstabilität. Die Prüfungen bestehen aus Schritt- und Trabaufgaben, in der Kür sind teilweise auch Galoppelemente möglich.
Grade III
Die in Deutschland am häufigsten vertretene Klasse. Viele Athletinnen sind gehfähig, haben jedoch Einschränkungen, etwa an einem Arm und einem Bein oder an beiden Armen. Auch sehbehinderte oder blinde Reiterinnen können hier starten. Die Prüfungen umfassen Schritt, Trab und Galopp und entsprechen etwa den Anforderungen der Klassen A bis L im Regelsport.
Grade IV
Die höchste Klasse im Para-Reitsport. Die Anforderungen sind vergleichbar mit den Dressurklassen L bis M. Die Reiter*innen haben meist Einschränkungen an ein oder zwei Gliedmaßen oder eine Sehbeeinträchtigung. Neben Schritt, Trab und Galopp können in der Kür auch anspruchsvolle Lektionen wie Serienwechsel gezeigt werden.
